Die Motive der großformatigen Kohlezeichnungen (131 Werke) sind Epheben von elegischer Anmut, badende, zartgliedrige Jungen mit femininen Körperproportionen, die die verführerische Grenze zwischen Adoleszenz und Erwachsensein streifen. Eine schwebende Sanftheit kennzeichnet die Strichführung auf der Papieroberfläche. Graphit, Bleistift, Kohle und Kreide mischen sich, denn das Reich der Leidenschaften kümmert sich wenig um Konventionen. Die Kohlezeichnungen, sogenannte »Noirs«, ausgeführt in englischer Naturkohle, sind meist 1 mal 2 Meter große Zeichnungen, entstanden 1990–1999. Die Kohlezeichnungen vereinen eine rasierklingenscharfe Linearität mit der schmelzenden Weichheit des Papiergrundes in Ockerbraun. Überraschend taucht die Farbe Caput mortuum auf. Caput mortuum (lateinisch für »Totenkopf«), auch Colcothar bzw. Kolkothar oder Morellensalz, ist ein aus Pyrit durch Abrösten des Schwefels gewonnenes mineralisches Pigment aus Eisen(III)-oxid. Seine Farbe ist ein violettstichiges Rot. Joseph Beuys hat diese Farbe immer wieder verwendet. Die Farbe «Dead Head», die auf Latein »caput mortuum« genannt wird, erläutert Theo de Beer, wurde erstmals um 1550 hergestellt. Das Rückstandsprodukt, das bei der Herstellung von Schwefelsäure aus Eisenvitriol übrig blieb, wurde »colcothar« genannt. Die erste Legende, und die wahrscheinlichste, besagt, dass dieser Name mit »Golgotha« verwechselt wurde, was im semitischen Dialekt »Schädel« oder » Totenhaupt« bedeutet. Die zweite Legende besagt, dass die braune Farbe, die einen violetten Farbton annimmt, mit der Farbe der Pigmente übereinstimmte, die aus Mumien hergestellt wurden. Die dritte Legende besagt, dass das Pigment auf mikroskopischer Ebene die Form von Schädeln hat. Es gibt also drei verschiedene Legenden, warum die Farbe »Dead Head« oder »Caput mortuum« genannt wurde. Die Farbe, die lichtecht und undurchsichtig war, besteht heute aus synthetischem Eisenoxid, wie es bei den Mars-Farben, insbesondere dem Mars-Violett, beschrieben wird. Und da sind die Skizzen der badenden Mädchen. Das Reich der Nymphen, sie halten in der Hand einen belaubten Zweig, der einen durch Berührung verwandelt oder sie tauchen in lauwarmes Brunnenwasser, in dem man ertrinken kann.
























