Das Videoarchiv von Gerhard Fischer
Städteporträts Europas: London, Amsterdam, Paris, Quimper, Bordeaux, München, Dresden, Berlin, Kassel, Tübingen, Zürich, Brüssel, Prag, Brünn, Budapest, Lunz, Drosendorf, Villgraten, Wien, Rom, Spoleto, Venedig, Parma, Siena, Florenz, Oia, Athen.
Interviews mit französischen Intellektuellen: Françoise Frontisi-Ducroux, Paule Thévenin, Françoise Molinier, Eugénie Lemoine-Luccioni, Georges Didi-Huberman, Daniel Defert, François Ewald, Pierre Rosenstiehl, Paul Virilio, Jean-Pierre Faye, Michel Thome, Jean-Michel Vappereau, Jean-Pierre Vernant.
Atelier- und Museumsrecherchen in Metropolen Europas. Zu nennen sind Filmdokumente zu Archiv Paulhan, Franz West, Arnulf Rainer, Max Weiler, Hermann Nitsch, Franz Anton Maulbertsch, Gustav Mesmer, Nikolaus Lang, Jean Le Gac, Paul Armand Gette, Pierre Molinier, Amedeo Modigliani, Lettristen, Heinrich Dunst, Cy Twombly, Van der Keuken. Und immer wieder das Centre Pompidou und der Louvre, das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum.
Das Frühwerk Franz Wests (1987–1989). Das Westvideo ist in seiner Bild- und Tonqualität sowie in seiner Montage ein Meisterwerk der Porträtkunst, eine Art Fragilität visueller Konstellationen, etwa wie ein gezücktes, geworfenes Messer in einer Spelunke auf einem Holztisch in der Luft ausschwingt. Die Franz-West-Videodokumentation umfasst 14 Bänder, Format Hi8, Ton, Farbe, ungeschnitten. Gesamtlänge der 14 Bänder: 15 Stunden 42 Minuten. Aufnahmezeitraum 1987–1989. 2 HDV-Bänder (Ausstellung im Mumok, 2012; Ausstellung im Kunsthaus Graz, 2010): 120 Minuten, Farbe, Ton, ungeschnitten.
West-Schnittfassung:
Erster Video-Teil: 49 Minuten 41 Sekunden.
Zweiter Video-Teil: 45 Minuten 54 Sekunden, ungeschnitten.
Montage: Valeriy Radmirov.
Texte: Franz West, Roland Barthes, Gerhard Fischer.
Das Westvideo ist in Schwan mit Sternenstaub das zehnte Kapitel. Das Filmkorn (engl. film grain) in Video Hi8 entfaltet im Vergleich mit HDV- und DV-Formaten eine kontrastreiche Bildqualität.
Legendäre Ausstellungen, Installationen und Vortragsreihen der Transmedialen Gesellschaft Daedalus von ihrer Konzeption bis zur Realisierung (Projekte 1987–2012).
Tableaux zur griechischen und römischen Mythologie. Eine Spurensicherung der homoerotischen Libido, orientiert am Orpheus-Mythos. Die griechische Kunst, obschon abhängig von den Bedingungen ihrer Zeit, bleibt dennoch etwas Einzigartiges, Unvergängliches und Unwiederholbares, wie die Jugend mit ihrer Schönheit verblüht, doch als Idee in der Erinnerung eines jeden fortlebt. Mit filmischen Erinnerungssplittern an die antike ars erotica wird Alteuropa zum Magnetfeld, denn Homer und Phidias zeigen uns, wo Göttliches erotisch wird. Es handelt sich um ein wenig Verführung – Verführung zu einem mediterranen Effekt, der den alteuropäischen Kulturen innewohnt. Hier treffen Licht, Himmel und Erde unnachahmlich aufeinander. Das Azurblau des Himmels, das Smaragdgrün des Meeres, die terra rossa des Bodens.
Studien von männlichen Aktmodellen mit Blumen und Stoffen. Der betrachtende Blick des Künstlers auf das Modell ist ein lebenslang bevorzugtes Genre von Gerhard Fischer. Rami, Sean, Valentin, Ferdinand, Martin, Victor, Fabio, Helios, Theodore, Satochi und Shoon heißen die Modelle, die Fischer 1993–2014ff mit Video- und Fotokamera dokumentierte. 77 Stunden Akt-Videomaterial sind der Aufnahmestatus. Sämtliche Variationen zur Erkundung des männlichen Körpers werden zugelassen, Aktbilder sonder Zahl sind im Lauf der Jahre entstanden. Fischer reflektiert das Prozesshafte, niemals Abgeschlossene als zentralen Aspekt der seriellen Aktaufnahmen.
A child is growing up (Langzeitdokumentation, 16 Stunden) eines heranwachsenden Kindes zum Mädchen. Die Langzeitstudie eines heranwachsenden Mädchens zeigt Gerhard Fischers Sinn für Farbe, Form und Stellung, Entfernung und Nähe, Bewegung und Langsamkeit, mit der das Auge der Kamera zum Kern des Geschehens vordringt.
Ein Epilog zu Asien zeigt die Philosophie des Daoismus anhand der Laotse-Schrift Tao Te King.
Die ungeschnittenen Videobänder wurden 2020 dem Videokünstler Arthur Summereder als Schenkung übergeben.
Schenkungsgegenstand:
317 nummerierte Bänder à 90 Minuten (Video 8, Hi8, 423 Stunden)
250 nummerierte Bänder à 60 Minuten (DV und HDV, 250 Stunden)
Der Geschenkgeber Gerhard Fischer räumt dem Geschenknehmer Arthur Summereder alle in Frage kommenden Werknutzungsrechte, welcher Art auch immer, sowie mögliche künftige Nutzungsrechte an diesen filmischen Arbeiten räumlich und zeitlich unbeschränkt ein. Der Geschenknehmer wird alle zumutbaren Bemühungen setzen, um das cinematographische Werk des Geschenkgebers bestmöglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei es in Ausstellungen, Publikationen, auf Internetseiten oder in Filmvorführungen und dergleichen im In- und Ausland (Zitat aus der Schenkungsvereinbarung).
Detaillierte Listen zu den Inhalten der Video 8, Hi8 und HDV, DV finden sich im Digitalen Werkverzeichnis Gerhard Fischer auf Seite 131–172.
http://www.gerhardfischerworks.eu/pdf/Das_Werkverzeichnis.pdf